Der Job des Kindes – Der kindliche Alltag in einer erwachsenen Welt

Alltag

Unser Alltag ist häufig streng durchgeplant, lässt insbesondere am Tagesbeginn wenig Raum für Inspiration und spontane Entscheidungen. Bereits direkt nach dem Aufstehen beginnt der Alltag – das Prozedere des Fertig-machens, des sich für den Tag wappnen. Sind die Morgenrituale beendet, machen wir uns auf den Weg zur Arbeit und bringen auf dem Weg dorthin noch das Kind in die Kita, in der Hoffnung, dass das Kind bei all unseren Morgenritualen mitmacht und kooperiert und auch der Abschied in der Kita nicht allzu lang gedehnt wird, denn unser Alltag muss funktionieren damit wir funktionieren.

Das Kind wird dadurch bereits früh in einen eng strukturierten Alltag integriert, einen Alltag der funktionieren muss. Wir vergessen in all der Hektik häufig das Wesentliche – unser Alltag, der Alltag von Erwachsenen, ignoriert kindliche Bedürfnisse. Durch feste Arbeitszeiten und Termine sind wir starr und unflexibel geworden, was uns oft genug unter Stress setzt. Diesen Stress projizieren wir auf unsere Kinder sobald wir anfangen, ihnen unseren Alltag aufzuzwingen.

Der Job des Kindes

Wir besänftigen unser mögliches schlechtes Gewissen mit der Ausrede, das Kind gerät zwar kurz unter Stress, dafür wird es in der Kita den ganzen Tag Zeit zum Spielen haben, es kann dort den Tag über machen was es möchte und mit Freund*innen zusammen sein. Doch bei dieser Annahme gehen wir erneut von einer trügerischen Vorstellung aus, auch hier projizieren wir unsere eigene erwachsene Vorstellung auf das Kind. Für uns mag es ein gelungener Tag sein, wenn wir den Tag über frei wählen können, was wir mit wem unternehmen möchten. Würden wir das entscheiden können, würden wir wahrscheinlich andere Tätigkeiten wählen, als jene, welche wir im Alltag erledigen. Doch das gilt auch für unsere Kinder. Haben die Kinder tatsächlich die Wahl, wie sie ihren Alltag gestalten? Wenn Kinder lieber ein paar Stunden länger im eigenen Bett liegen bleiben möchten, ein Frühstück in der eigenen Spielküche mit den eigenen Kuscheltieren einnehmen möchten, lässt unser Alltag das zu? Wenn Kinder statt in die Kita lieber auf den Spielplatz gehen möchten, welche Möglichkeiten können wir den Kindern tatsächlich einräumen?

Die von Erwachsenen häufig als Trotz wahrgenommenen Reaktionen des Kindes drücken ein Bedürfnis aus, das wir ernst nehmen sollten. Fühlen wir uns konsequent in die Erlebniswelt der Kinder ein, erkennen wir, dass der Besuch einer Kita für das Kind bereits einen eng strukturierten Alltag bedeutet. So wie wir auf unsere Arbeit gehen, gehen Kinder in die Kita – es ist deren Arbeit. Das lebenslange Lernen beginnt mit der Geburt, Situationen welche für uns angenehm und entspannend erscheinen sind für Kinder, welche diese Situationen erst kennen lernen, harte Arbeit. Erinnern wir uns an die Anfangszeit der Kinder in der Kita zurück, stellen wir fest, dass Kinder nach den ersten Tagen in der Kita, auch wenn diese nur kurz waren, häufig sehr müde waren. Müdigkeit ist ein Zeichen für Anstrengung, welches wir ebenfalls kennen. Ein Zeichen, dass uns aufmerksam werden lassen sollte: Kita ist für Kinder ein Ort zum Wachsen und lernen. Es ist ein Ort voller Freude und Spiel, jedoch auch voller Anstrengung. Denn auch Spielen, Freundschaften schließen und erhalten, den Tag in einer Gruppe verbringen muss erst gelernt werden. Die Kita ist ein Ort, der Regeln und Strukturen vorgibt, auch wenn der Rahmen im Vergleich zu einer Arbeitsstelle noch sehr weit gefasst ist. Die Kita ist die Arbeitsstelle des Kindes, an der das Kind jeden Tag Höchstleistungen vollbringt.

Das Kind im erwachsenen Alltag

Aus diesem Blickwinkel heraus gibt es viele Parallelen zwischen dem, was die Kita für ein Kind ist und der Arbeitsstelle für uns Erwachsene. In der Regel gehen wir trotz der engen Vorgaben unserer Arbeitsstelle an manchen Tagen gerne dort hin, an anderen wiederum nicht so gerne. Unsere Kolleg*innen können wir uns nicht aussuchen, wir schaffen es in der Regel dennoch, den Tag mit ihnen zu verbringen.

Unser gesellschaftlicher Alltag legt uns Zwänge auf, denen wir nicht immer entfliehen können, auch unsere Kinder müssen sich diesen unterordnen. Doch auch Kinder haben das Recht, das ihre Bedürfnisse gehört und beachtet werden. Wenn Kinder einmal nicht in die Kita wollen, dann haben sie ein Recht darauf das mitzuteilen, und wir müssen es ernst nehmen – unabhängig davon, ob wir dem Bedürfnis nachgehen können oder nicht – denn auch Erwachsene haben hin und wieder Tage, an denen sie schlecht drauf sind und lieber zu Hause bleiben würden anstatt zur Arbeit, und manchmal lassen auch wir unsere Umgebung an unserer schlechten Laune teilhaben.

Wie geht ihr damit um, wenn euer Kind einmal nicht so möchte wie es soll? Habt ihr die Möglichkeit darauf einzugehen?

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