Kita Management – der Einstiegsjob nach dem Studium?

Boss

Der Arbeit in einer Kindertagesstätte wird im Allgemeinen kein sonderlich hohes Ansehen nachgesagt, wie bereits hier thematisiert. Im gesellschaftlichen Diskurs obsiegt die Meinung, die Arbeit von Erzieher*innen können praktisch alle erledigen (Beispiel) – nur möchte sie dann letztendlich doch niemand so richtig machen. Gewissermaßen zum Glück, denn die Arbeit in einer Kindertagesstätte ist bei Weitem nichts für jede*n.

Das wäre auf der einen Seite auch sehr schade, würde es doch den Reiz des Berufes schmälern, wäre der Beruf lediglich einer unter vielen. Doch die Tätigkeit von Erzieher*innen zeichnet sich dadurch aus, dass sie vielseitig ist, anspruchsvoll, jedoch auch immer wieder bereichernd. Kein Tag ist wie der andere, die Arbeit mit den Kindern, der Umgang mit den Familien und den Kolleg*innen sorgt immer wieder für Überraschungen. Kein Beruf wie jeder andere, doch das Klischee bleibt bestehen.

Wie viele andere Berufe bspw. aus dem Handwerk, hat auch die Berufsgruppe der Erzieher*innen Probleme mit dem Nachwuchs. Der Großteil der Schulabgänger*innen geht studieren, denn mit einem Hochschulabschluss hat man mehr Möglichkeiten. Menschen mit Hochschulabschluss, sei es z.B. in Sozialpädagogik oder Erziehungswissenschaften, werden keine Erzieher*innen, denn sie haben ja studiert. Das wird ihnen an den Hochschulen so auch beigebracht, Menschen mit Hochschulabschluss übernehmen in Kindertagesstätten die Funktion der Leitung.

Kitaleitung als Einstiegsjob?

Doch was braucht es, um eine Kita zu leiten? Ist die Leitung einer Kindertagesstätte tatsächlich ein Beruf, der, wie an vielen Hochschulen den Studierenden mitgeteilt, ein Job für Hochschulabsolvent*innen?

Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir das Ansehen von Erzieher*innen steigern wollen, wie wir den Fachkräftemangel im pädagogischen Bereich bekämpfen wollen, wenn nicht mal in den Ausbildungsbetrieben ausreichend Wertschätzung vorhanden ist. „Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken“ heißt es in einem bekannten Sprichwort. Wird der Hochschulabschluss als einzige Voraussetzung für die Übernahme einer Kitaleitung angesehen, brauchen wir uns nicht über die mangelnde Wertschätzung der Mitarbeiter*innen ebendieser Leitung wundern.

Wie bereits erwähnt, ist der Beruf von Erzieher*innen vielseitig und anspruchsvoll. Die Leitung einer Kindertagesstätte kann dementsprechend kaum als Einstiegsjob beworben werden, denn er ist das alles ebenso – und so viel mehr. Leitungskräfte tragen nicht bloß die pädagogische Verantwortung in der Kita, sie tragen die personelle und organisatorische Verantwortung. Kitaleitungen erleben all die Aufregungen des Alltags der Mitarbeiter*innen, dürfen dabei jedoch nicht den Überblick über die gesamte Einrichtung verlieren. Sie haben das Kind im Einzelnen, den*die Mitarbeiter*in im Einzelnen sowie die gesamte Einrichtung gleichermaßen im Blick. Sie sorgen dafür, dass die pädagogischen Fachkräfte ihren Fokus auf das Wesentliche behalten können, in dem sie die notwendigen Rahmenbedingungen dafür schafft. Sie bringen „Kundenwünsche“ und pädagogische Praxis in Einklang. Kitaleitungen führen ein kleines Unternehmen.

Die Leitung der Kita ist das Aushängeschild

Neben all diesen Anforderungen ist es eine wichtige Aufgabe der Kitaleitung, die eigene Kita in Zeiten von Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen an die Pädagogik überlebensfähig zu machen. Die Kita herausstechen zu lassen, so dass sie attraktiv für neue sowie aktuelle Mitarbeiter*innen ist und bleibt.

Agile Leitungsmethoden, welche sich stets am aktuellen Bedarf des Arbeitsmarktes orientieren müssen von Leitungskräften in sozialen Bereichen zum Teil intuitiv eingesetzt werden. Die Motivation der Mitarbeiter*innen hoch zu halten setzt eine eigene schier unergründliche Motivation voraus. Motivation neue Wege zu beschreiten, Visionen zu erdenken und zu verwerfen sowie andere an den eigenen Visionen teilhaben zu lassen.

In Zeiten von ständiger Fluktuation muss die Leitung einer Kita ein Gefühl für die eigenen Mitarbeiter*innen bekommen, was benötigt jede*r Einzelne?

Eine Kita Leitung benötigt Erfahrung. Sie benötigt Menschenkenntnis und Motivation, Durchhaltevermögen sowie die Fähigkeit, Begeisterung zu teilen und zu verbreiten. Kita Leitungen müssen flexibel sein und sich auf die verschiedenen Persönlichkeiten eines Teams einlassen können.

Wie kann die Zukunft aussehen?

Trotz der hohen Anforderungen an Kitaleitungen, erhält die Position weiterhin nicht die Anerkennung, die sie verdient und benötigt – ähnlich dem Berufsbild von Erzieher*innen. Leitungen von Kitas werden verzweifelt gesucht, was wiederum dazu führt, dass weiterhin unerfahrene Personen, denen die Position der Leitung als Einstiegsjob verkauft wurde, auf die Posten gesetzt werden. Wir befinden uns in einer Abwärtsspirale.

Die Frage nach dem Umgang mit dieser Misere ist eine ähnliche Frage wie der nach dem Fachkräftemangel. Wir müssen die bislang noch allzu leeren Floskeln über die Qualität in der Bildung, über die anspruchsvolle Arbeit von pädagogischen Fachkräften und deren Leitungen, endlich mit Inhalt füllen.

Die Befähigung zum Leiten einer Kita wird nicht durch ein Abschlusszeugnis erteilt. Es verlangt Erfahrung und die Fähigkeit, Belastungen auszuhalten. Es benötigt Kooperationsbereitschaft und Visionen. In aller erster Linie braucht es jedoch den Rückhalt aus der Gesellschaft, die Anerkennung die das Leiten eines kleinen Unternehmens verdient.

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