Politische Bildung in der Kita

Politics

Die Kindheit dient dazu, eigene Interessen zu entwickeln, Möglichkeiten des eigenen Handelns kennen zu lernen, und grundlegende gesellschaftliche Strukturen und Entwicklungen kennen zu lernen.

In einer Kindertagesstätte stoßen die Kinder neben der Familie erstmals auf Formen des Zusammenlebens. Familie bedeutet heute nicht mehr das gleiche, wie noch vor einigen Jahren. Die Familien werden kleiner und sind örtlich häufig weit verstreut, der Trend geht weiter in Richtung Einzelkinder. Die Kita erhält daher die herausragende Position, den Kindern zu ermöglichen, in einem geschützten Rahmen Formen des Zusammenlebens kennen zu lernen, zu erproben und zu erweitern. Die Kinder erlernen die Bedeutung eines demokratischen Zusammenlebens.

Partizipation ermöglicht niedrigschwelligen Zugang zu Demokratie

Wir verstehen Demokratie als grundlegende Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens und sind der Überzeugung, dass politische Themen bereits in ihren Grundzügen den Kindern vermittelt werden müssen, damit die Kinder sich ein Bild ihrer eigenen Lebenssituation und den dazugehörigen gesellschaftlichen Bedingungen machen können. Die Kinder verstehen dadurch Zusammenhänge der gesellschaftlichen Strukturen, bekommen Kompetenzen sowie die Motivation vermittelt, sich aktiv in gesellschaftliche Entscheidungen einzubringen. Werden die Kinder bereits früh mit gesellschaftlichen Themen konfrontiert erlernen die Kinder Demokratie und wie sie die Gesellschaft, in der sie leben möchten, selbst gestalten können.

Wird den Kindern ermöglicht, an ihrem Alltag zu partizipieren, erfahren sie die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen auf wichtige Entscheidungen ihres Alltags. Was die Demokratie im Großen für ein ganzes Land bedeutet, lernen die Kinder im Kleinen in ihren Grundzügen bereits in der Kita. Sie erleben ihre eigenen Mitbestimmungsrechte, jedoch auch, die Meinung anderer zu akzeptieren.

Politische Themen im Kita Alltag

Die politische Dimension der pädagogischen Arbeit hört jedoch nicht bei der bloßen Partizipation auf. Auch inhaltlich muss sich eine Kita unserer Ansicht nach mit politisch relevanten Themen beschäftigen – solange es auf kindlichem Niveau geschieht, ohne manipulativ zu sein. Alleine durch die Anwesenheit bei Unterhaltungen von Erwachsenen nehmen Kinder bereits am politischen Geschehen teil. Schwerer wiegt jedoch, dass politische Entscheidungen das Leben der Kinder mittelbar und unmittelbar betreffen. Die Situation von Kindertagesstätten ist seit eh und je ein Politikum, Kinder sind direkt davon betroffen. Auswirkungen langfristiger Entscheidungen, insbesondere beim Umweltschutz, treffen die Kinder von heute unmittelbar. Laut §1 SGB VIII haben Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe die Aufgabe „dazu bei(zu)tragen, positive Lebensbedingungen für jungeMenschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen.“

Alltagsnahe Themen wie Umweltschutz oder Geschlechterrollen ermöglichen den Kindern eine niedrigschwellige Auseinandersetzung mit politischen Themen, es ermöglicht ihnen, ihren Alltag und dazugehörende Veränderungen zu deuten und befähigt sie dazu, sich im weiteren Verlauf ihres Aufwachsens politisch zu positionieren und zu partizipieren.

Ein aktuelles Beispiel für den Wunsch von Kindern und Jugendlichen an politischer Partizipation ist in der Fridays For Future Bewegung zu finden. Die Bewegung zeigt deutlich, dass Kinder und Jugendliche Interesse haben, sich an öffentlichen Debatten zu beteiligen und dass sie bei politischen Entscheidungen nicht mehr übergangen werden möchten.

Die Reaktionen der politischen Akteure zeigt jedoch auch deutlich, wie weit wir in unserer Gesellschaft von echter Partizipation unserer Kinder entfernt sind. Wurden die wöchentlichen Proteste zu Beginn noch als Schule schwänzen diffamiert, erhält die Bewegung zunehmend Verständnis für ihren Protest. Die Welt der Erwachsenen kommt langsam aus der Blockadehaltung heraus und wagt es, jugendliche Stimmen für die Gestaltung der Zukunft anzuhören.

Ein weiter Weg zur Partizipation

Doch die ersten Reaktionen bergen eine Gefahr für unsere demokratische Gesellschaft. Wollen wir junge Menschen für ein demokratisches Zusammenleben begeistern müssen wir es ihnen vorleben – das gilt für die Politik genauso wie für eine Kita. Partizipation ist nur dann sinnvoll, wenn sie ernst gemeint und für Kinder und Jugendliche erlebbar wird. Es wird Zeit für uns Erwachsene uns zu überlegen, in welcher Welt unsere Kinder leben sollen. Es wird Zeit, unsere Einstellungen und Meinungen auch umzusetzen. Es wird Zeit, Kindern den Zugang zu Politik zu ermöglichen, so dass sie später einmal eine demokratische Gesellschaft bilden können.

Aus diesen Gründen werden wir uns auch in Zukunft gemeinsam mit den Kindern mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen, wir werden den Kindern Werte und Wissen vermitteln, die sie für eine lebenserhaltende Zukunft benötigen und den Kindern die Möglichkeit geben, sich Kompetenzen anzueignen, die Welt in der sie leben werden zu gestalten und neu zu erfinden.

Wir müssen den Kindern die Möglichkeit geben, aus unseren Fehlern zu lernen, wir müssen Vertrauen in die Fähigkeiten der heutigen Kinder haben – nur so können sie zu kompetenten und demokratischen Zukunftsgestalter*innen werden.

Wie denkt ihr über die Fridays For Future Bewegung? Ist es Protest oder Schule schwänzen? Welche Beispiele von politischer Partizipation kennt ihr noch? Wir freuen uns jederzeit über einen Austausch.

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