Qualität in der pädagogischen Praxis

Qualität

Die Qualität in der pädagogischen Praxis ist ein häufig diskutiertes Themenfeld. Ähnlich wie beim Fußball gibt es hierzu viele selbst ernannte Expert*innen, alle haben eine Meinung dazu, alle wissen wie pädagogische Praxis besser gelingen kann. Über pädagogische Qualität lässt sich viel diskutieren, Pädagogik hat viele Facetten und Qualität entfaltet sich auf vielen Ebenen. Wir alle wissen, wie die Kita aussehen soll, in der unser Kind den Tag über betreut wird, welche Aktivitäten dort statt finden sollen, welche Erzieher*innen dort arbeiten sollen. Wir wissen was unser Kind braucht und eine qualitativ anspruchsvolle Pädagogik muss das liefern. Pädagogik ist heute nicht mehr bloß Angelegenheit von ausgebildeten Fachkräften (Pädagog*innen), sie hat sich als Grundpfeiler unserer heutigen Gesellschaft entwickelt und zieht somit ebenso viele vermeintliche Expert*innen an.

Ohne dem Angebot von öffentlichen Kitas könnte das öffentliche und gesellschaftliche Leben wie wir es heute kennen nicht existieren. Die Pädagogik trägt also eine große Verantwortung, nicht bloß über die Zukunft, die durch die heutigen Kinder gestaltet wird, sondern auch über die Gegenwart, die durch Personen gestaltet wird, deren Kinder sich in einer Tagesbetreuung befinden und somit erst den Freiraum zur Gestaltung bekommen.

Pädagogik ist ein Politikum

Pädagogik unterliegt einem hohen Anspruch, sie findet sich jedoch unter schwierigen Rahmenbedingungen wieder. Fehlende Fachkräfte aufgrund mangelnder Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt machen die pädagogische Praxis nicht selten zum Mittelpunkt gesellschaftlicher Diskussionen. Auch die Politik mischt sich gerne ein und versucht ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, in dem sie die Rahmenbedingungen mit beeinflusst. Das jüngst verabschiedete Gute-Kita-Gesetz ist nur einer der Versuche, pädagogische Berufe attraktiver zu machen.

Die Situation in der sich die Pädagogik befindet ist eine sehr paradoxe. Niemand stellt in Abrede, alle an der Pädagogik beteiligten wollen das Beste für unsere Kinder. Mitarbeiter*innen in Kitas tragen eine große Verantwortung – sogar die Politik greift in ihre Arbeit ein und gibt die Rahmenbedingungen vor. Dennoch weist der Beruf keine ausreichende Attraktivität auf um alle zur Verfügung stehenden Arbeitsstellen mit Fachkräften zu besetzen. Im Gegenteil, Pädagogik entwickelt sich immer weiter als Dienstleistung.

Pädagogisches Handeln ist im gesellschaftlichen Diskurs zwar ein hohes Gut, im Alltag ist jedoch von der gesellschaftlichen Bedeutung nichts mehr zu spüren. Belastende Rahmenbedingungen, schlechte finanzielle Absicherung und kaum gesellschaftliches Prestige. Denn Pädagogik weist eine Besonderheit auf, die sie gleichzeitig im gesellschaftlichen Kontext in eine schwierige Situation bringt. Pädagogik ist eine Investition in die Zukunft, sie wirkt nachhaltig. Pädagogisches Wirken weist von heute auf morgen kaum Ergebnisse auf, das Vorhandensein pädagogischer Qualität ist im Alltag daher kaum spürbar. Spürbar wird Pädagogik erst dann, wenn sie fehlt, z.B. wenn Erzieher*innen wieder mal gezwungen sind zu streiken.

Etliche Gesetze, wie z.B. das HessKifoeg, haben bereits versucht, pädagogische Berufe aus ihrer Misere herauszuhelfen, bislang jedoch mit mäßigen Erfolg. Politisches Wirken, welches auf den ersten Blick selbstlos und der Pädagogik unterworfen wirkt, wie zuletzt das Gute-Kita-Gesetz, lässt die Pädagogik dabei leider allzuhäufig zu einem politischen Spielball und Wahlkampfinstrument verkommen.

Politische Versprechen vs pädagogische Realität

Finanzielle Entlastung der Familien, mehr pädagogische Fachkräfte, ein besserer Betreuungsschlüssel, bessere Qualifikation von Fachkräften – das Gute-Kita-Gesetz hat Großes vor. Dafür stellt der Bund den Kommunen 5,5 Milliarden Euro zur Verfügung, eine beachtliche Menge an Geld so scheint es auf den ersten Blick. Familien und der gesellschaftliche Diskurs sind mal wieder beruhigt, die Zukunft des eigenen Kindes scheint gesichert. Doch in der pädagogischen Praxis bedeutet dieser Zuschuss ein Tropfen auf dem heißen Stein (siehe diese Beispielrechnung). Ein Stein, der durch das fehlende, bzw. falsche Wirken der Politik erst heiß wurde. Von diesem Geld soll nicht nur die Qualität der pädagogischen Praxis verbessert werden, auch Familien sollen entlastet werden. Ein Gesetz also, dass alle Bedürfnisse der Wähler*innen anspricht, leider jedoch nicht die Bedürfnisse der pädagogisch Schaffenden. Denn wenn das Geld nun eingesetzt wird, die Rufe nach mehr Qualität kurzfristig zu besänftigen, geschieht das genaue Gegenteil. Die pädagogische Arbeit leidet unter den vergeblichen Bemühungen, die Qualität in Kindertageseinrichtungen bis zum nächsten Wahlkampf zu verbessen.

Anstatt den Blick auf die zu lenken, die die Pädagogik in Anspruch nehmen, sollten wir den Blick auf die Personen wenden, die sie ausüben. Was benötigen Menschen um den Beruf als Erzieher*in attraktiv zu finden? Wie schaffen wir es, sie in ihrer Ausbildung auf die Praxis vorzubereiten? Wie können wir die Arbeitsbelastung von pädagogischen Fachkräften reduzieren?

Regelmäßig verabschiedete Gesetzespakete, deren Auswirkungen in der pädagogischen Praxis kaum bis keine Auswirkungen zeigen (zumindest nicht im Positiven) sind dabei kontraproduktiv. Erzieher*innen und Auszubildende bekommen jedes mal aufs Neue Veränderungen versprochen, werden in ihrem Alltag jedoch jedes mal aufs Neue enttäuscht. Die Attraktivität des Berufes steigt dabei nicht.

Beitragsfreie Kita Plätze sind sicherlich ein gutes und wichtiges Zeichen für die Chancengleichheit aller Familien, lässt die Pädagogik jedoch weiter in die Selbstverständlichkeit und Bedeutungslosigkeit verkommen.

Die verabschiedeten Gesetze bringen gute Grundlagen und Ideen mit sich, wirkliche Änderungen im Sinne unserer Kinder wird es jedoch erst geben, wenn die Politik anfängt weiter als bis zum nächsten Wahlkampf zu denken, die Gesellschaft beginnt, über langfristige Konsequenzen nachzudenken und jede*r Einzelne seine gesellschaftliche Verantwortung über seinen eigenen Tellerrand hinaus wahrzunehmen.

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