Professionalität in Sozialen Berufen – Das Ende der Sitzkreis-Pädagogik

Profession Sozialberufe

„Die können doch eh nur reden!“ „Den ganzen Tag spielen, was ist denn daran schwer?“ Sätze wie diese haben Erzieher*in, Sozialpädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, etc. wahrscheinlich schon häufiger in ähnlicher Form gehört. In den Diskussionen über eine bessere Bezahlung in sozialen Berufe werden solche Aussagen gerne genutzt, die Berufe herab zu werten. Ursache für solch diffamierende Aussagen ist u.a. ein unzureichendes Professionsverständnis des Sozialwesens.

Ungeachtet der langen Ausbildung werden Berufe aus dem Sozialwesen häufig nicht ernst genommen. Während Bänker*innen, Einzelhandelskaufleute, etc. als professionalisierte Berufsstände angesehen werden, die im gesellschaftlichen Leben ihren festen Platz haben, fehlt dieses Verständnis im Sozialen Bereich. Doch Sozial Schaffende machen es sich zu einfach, die Schuld daran allein am öffentlichen Bild fest zu machen. Wollen wir als professionelle Sozial Schaffende wahrgenommen werden, müssen wir beginnen unseren Beruf selbst zu professionalisieren.

Professionalisierung der Sozialen Berufe

In unseren Arbeitsfeldern haben wir häufig mit Kindern, sozial schwachen, bildungsfernen, kranken, benachteiligten u.a. Personen zu tun. Unsere Sprache im Berufsalltag passen wir entsprechend dem Klientel an, denn es ist wichtig, von denen verstanden zu werden an die unsere Hilfen adressiert sind.  Doch verlernen wir dabei den Transfer zu weiteren Adressat*innen. Kita Aushänge in kindgerechter Sprache, die jedoch auf Augenhöhe für Erwachsene hängen, Elternbriefe, Einladungen, Fortbildungen – geschrieben in kindgerechter Sprache, denn wir arbeiten ja mit Kindern. Wir verlernen den Umgangston in der Welt der Erwachsenen. Dabei schaffen wir unseren eigenen Mikrokosmos in der Berufswelt. Anerkannt und geschätzt von den Personen, welche wir täglich antreffen, die Außenwirkung ist jedoch verheerend. Mit unserem Beruf stehen wir inmitten der Gesellschaft. Ein seriöses Auftreten, unabhängig des uns gegenüberstehenden Klientels, sorgt für eine professionelle Außenwirkung, welche den Weg zur Professionalisierung ebnet

Berufung oder Profession

Durch die Schaffung des Mikrokosmos Soziale Arbeit fällt es uns schwer, aus diesen Grenzen auszubrechen. Wir fühlen uns zu unserer Aufgabe berufen, wir praktizieren aus ideologischen Gründen, wir verschreiben uns voll und ganz unserem Klientel. Doch diese Berufung finden wir ebenfalls in anderen Professionen, sie ist kein Alleinstellungsmerkmal und somit kein Grund, sich darauf zu berufen.

Soziale Arbeit ist ein Beruf wie jeder andere. Wir machen ihn, weil er uns Freude bereitet und wir gut darin sind, anderen Personen zu helfen. Das sollte uns jedoch nicht davon abhalten, aus den Grenzen des Klischees auszubrechen. Allgemeingültige Verhaltensweisen, Methoden und Floskeln sollten für uns ebenso relevant werden. Erst wenn wir unser Monopol auf ein Berufsfeld zum Wohle der Gesellschaft aufgeben, können wir uns in die Liste der ernst genommenen Professionen einreihen. Wenden wir das Bild einer Berufung zu einer Profession, können wir mit Menschen argumentieren, die bislang nicht Teil unseres Mikrokosmos waren und das Ansehen erlangen, welche die Soziale Arbeit verdient hat. Das Ansehen von professionell arbeitenden Menschen.

Wie steht ihr zur Sitzkreis Pädagogik? Ist das Klischee berechtigt oder überholt? Ist die Hemmung, den*die Erzieher*in eurer Kinder zu Duzen geringer als den*die Verkäufer*in des Supermarktes an der Ecke?

Ein Kommentar bei „Professionalität in Sozialen Berufen – Das Ende der Sitzkreis-Pädagogik“

  1. […] einer Kindertagesstätte wird im Allgemeinen kein sonderlich hohes Ansehen nachgesagt, wie bereits hier thematisiert. Im gesellschaftlichen Diskurs obsiegt die Meinung, die Arbeit von Erzieher*innen […]

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